Temporäre Gemeinschaft –
Christina Benz, Françoise Caraco und Karoline Schreiber
Eine Ausstellung im Rahmen des Raumstipendiums von Visarte Zürich

Öffnungszeiten:
Freitag, 3.2. Vernissage von 17 bis 20 h
Samstag, 4.2. 12 bis 18 h
Sonntag, 5.2. 10 bis 14 h, Zopf & Konfi

Sihlquai 55, 8005 Zürich, 1. Stock
Zugang von Ausstellungsstrasse 16 (Hofeingang)
www.sihlquai55.ch

Christina Benz, Françoise Caraco und Karoline Schreiber wurde das Raumstipendium von «sihlquai55 offspace visarte zürich» zugesprochen. Die drei Künstlerinnen bilden eine temporäre Gemeinschaft und benutzen seit bald einem Monat den Ausstellungsraum von Visarte Zürich als Atelier und Austauschraum. In dieser Zeit versucht das Trio auszuloten, wie sich ein zeitlich begrenztes Gemeinschaftsatelier auf die eigenen künstlerischen Praxen auswirkt und wie diese sich gegenseitig beeinflussen und inspirieren lassen. Diese kleine und intime Gruppe wird gelegentlich erweitert, wenn zum Beispiel kritische Stimmen zum Diskurs eingeladen werden oder zusammen mit Gästen ein Abendessen improvisiert wird. Zum Abschluss des Raumstipendiums präsentieren nun die drei Künstlerinnen ihre neusten Arbeiten in einer konzentrierten dreitägigen Ausstellung.

Im Zentrum des Ausstellungsprojektes «Temporäre Gemeinschaft» steht ausserdem die Auseinandersetzung mit Themen wie Gemeinschaftsbildung und den damit verbundenen Mechanismen der Zugehörigkeit und Abgrenzung.
So beschäftigt sich zum Beispiel Françoise Caraco in ihrer neuen Videoarbeit Selbstportrait as Bait – Eine Aneignung mit den Fragen nach dem individuellen Subjektivierungsprozess und der Identitätsbildung, die als Voraussetzung zur Zugehörigkeit einer Gemeinschaft dienen. In dem 3-minütigen Video verknüpft Caraco autobiografische Schilderungen aus ihrer Jugendzeit mit gefilmten Teilansichten einer Fotografie von Collier Schorr. Aus der Wechselwirkung von Foto und Erzählung schafft die Künstlerin eine subtile Topografie, welche Erinnerungen ebenso auslöst wie transformiert und die Unsicherheit einer Zwölfjährigen mit Feinfühligkeit und Präzision darstellt.
Auch in den Videoinstallationen von Christina Benz spielen ähnliche Fragestellungen eine wichtige Rolle. In der Arbeit Twinkle Twinkle befasst sich die Künstlerin zum Beispiel mit der Möglichkeit des Scheiterns, welche jedem identifikatorischen Prozess innewohnt. Auf den Sprossen einer an die Decke gehängten Leiter projiziert sie einen animierten Text, dessen Inhalt im Kontrast zu der vom Objekt suggerierten Anstiegbewegung steht.
Karoline Schreiber versucht mit der Arbeit Finstere Materie in 40 Stunden den Aspekt der Temporalität im Entstehungsprozess einer Zeichnung performativ und anhand repetitiver krummliniger Bewegungen zu vertiefen: Dem Prinzip der «automatischen Zeichnung» folgend, wird sie während 40 Stunden an einer neuen grossformatigen Zeichnung direkt an der Wand des Raumes arbeiten. Wie gross die Wandmalerei am Ende sein wird und wann sie als abgeschlossen gelten soll wird nur durch die von vornherein festgelegte zeitliche Begrenzung bestimmt.

Text: Irene Grillo

Kurzportraits der Künstlerinnen

Christina Benz, geb. 1972 in Zürich, Kunststudium am Central Saint Martins College in London (BA) und an der Zürcher Hochschule der Künste (MFA). Teilnahme an diversen Gruppen- und Einzelaustellungen im In- und Ausland sowie Solopositionen an internationalen Kunstmessen, repräsentiert durch The Cynthia Corbett Gallery in London. 2005 Nomination für den illy Prize, Artissima Turin. 2011 Videoinstallationen im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna und an der Volta New York.
www.christinabenz.ch

Françoise Caraco, geb. 1972 in Basel, Studium Fotografie (BA) und bildende Kunst (MFA) an der Zürcher Hochschule der Künste. Stipendienaufenthalt im 2000 der iaab Tapiola Guest Studio, Helsinki, sowie Auszeichnungen und Preise, 1999 Werkstipendium Kanton Zürich, 1998 Eidgenössischer Kunstpreis. Diverse Gruppenaustellungen im In- und Ausland, 2011 „Regionale 12“, Strasbourg, „Reality Check“, Ausstellungsraum Klingental, Basel, MFA Degree Show Shedhalle Zürich.
www.francoise.caraco.ch

Karoline Schreiber, geb. 1969 in Bern, Studium Grafikdesign an der Schule für Gestaltung Bern, Kunststudium an der F+F Zürich und an der Zürcher Hochschule der Künste (MFA). Stipendienaufenthalte 1999-2001 Stiftung Binz 39, 1997-1999 New York, 1995 Krakau, 1995+1997 Swiss Design Award, 1998 Werkbeitrag des Kantons Bern. Seit 2001 Lehrauftrag für Zeichnen an der Hochschule der Künste Bern. Diverse Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, 2011 in der Galerie Stephan Witschi Zürich, MFA Degree Show Shedhalle Zürich.
www.karolineschreiber.ch

Die Ausstellung wird realisiert mit freundlicher Unterstützung der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).